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von Manfred » 19. Sep 2021, 09:15
Gut, dann nehmen wir uns die Box mal zum Review vor.
Ich erlaube mir allerdings, die Originalalben zu überspringen, die sind ja hinlänglich bekannt. Ebenso die Bonustitel, die wir alle schon seit Jahren Im Schrank haben.
Damit springen wir sofort zu „Sweet and bitter“. Wir hören take 2. Geschrieben von Brian Wilson und Don Goldberg, gesungen von Mike. Nicht unbedingt ein earcatcher, daher wohl auch in der Versenkung verschwunden. Allerdings ist das Arrangement hier auch noch sehr spärlich, das klingt sehr unfertig. Keine backing vocals. Na ja. Nicht sonderlich aufregend.
Mit „Seasons in the sun“ haben die Beach Boys einen hit verschenkt, den sie damit hätten haben können. Hier in besserer Qualität, als bisher bekannt. Den hit hat sich dann producer Terry Jacks selbst geholt. Dumm gelaufen.
Damit zu Disc 3 und hier wird´s dann interessant. Auf „Slip on through“ wurde
der gleiche drum-Effekt wie auf Do it again verwendet. Ein mehrfaches Echo, ganz kurz hintereinander gefügt. Interessant, die ganzen backing vocals ungestört zu hören. Man kann auch schön jeden einzelnen heraushören.
Da hat Dennis einen schönen Auftakt.
„This whole world“ – hier gilt das gleiche wie beim letzten song. Wunderbare backings, da steckt eine Menge Arbeit drin. Wie man in einen song von 1:58 (in der Originalversion) sage und schreibe 20 Harmonien stecken kann, ohne daß es nach Selbstzweck klingt, ist mehr als erstaunlich. Auch ein Gitarrensolo ist hier zu hören. Abenteuerliche Trommelei (bestimmt nicht Dennis).
„Add some music“ als backingtrack zu hören, ist ebenfalls interessant – wieder insbesondere wegen der vocals. Hier hört man das Hohner D 6 Clavinett (keyboard), welches die BB zum ersten Mal benutzen. Bekannt wurde es eher durch Stevie Wonder, der es zu seinem Markenzeichen machte. Mike singt hier (und überhaupt auf allen songs der Box) sehr einfühlsam.
Überhaupt ist die Verbundenheit, die Gemeinschaftsarbeit der Gruppe sehr gut gelungen.
„Deirdre“ habe ich immer sehr gemocht, Bruce at his best. Ein Superarrangement mit den Bläsern, Flöten, Vibraphon, etc. Kurz nach 2:00 ein schönes Zwischenspiel und lautstärkemäßig effektiv reduziert, bevor es dann wieder voll los geht. Harmonisch ebenfalls sehr schön ausgedacht.
„It´s about time“ geht gut ab, auch hier fallen die vocals auf und die Gitarre ist für BB Verhältnisse etwas soulig. Gute vocals von Mike. Ob er sich das ausgedacht hat ? Wieder kraftvolle drums und percussion. War schon auf der bootleg „Landlocked“ in anderer Version.
Bei „Tears in the morning“ wieder Bruce at his best. Warum hat er nie wieder so gute songs geschrieben ? Traumhaftes Arrangement mit dem Akkordeon und den ganzen backings, sehr filigran. Die Bläser sind recht leise, hier aber gut zu hören. Die Dynamik ist äußerst effektiv, gegen Schluß wird´s erst wesentlich leiser, dann wieder volles Programm. Gefährlich nahe an einer Überproduktion vorbeigeschrammt. Das Piano am Schluß fährt den song dann wieder schön runter, Bläser leise am Ende.
„All I wanna do“ ist dagegen anfangs eher karg gehalten. Was mag das für eine Keyboardmischung zu Beginn sein ? Ein Klavier ist dabei, aber noch etwas anderes. Wiederum schöne backing vocals. Carl hat sich als Mitproduzent gut gemacht.
Ja, zu „Forever“ braucht man nicht viel zu sagen, oder ? Dennis´ beste Komposition, denke ich. Ein Ohrwurm von Beginn an. Warum hat man das nicht als single ausgekoppelt ? Auch hier ist die Dynamik besonders effektiv. Wir hören den ausgezeichneten Pedal-Steel-Gitarristen Red Rhodes, der auch oft bei den Monkees und insbesondere bei den Soloalben von Mike Nesmith gespielt hat. Wenn dann die backing vocals `reinkommen, geht die Sonne auf. Brian´s Stimme ist noch hervorragend intakt.
„Our sweet love“ (ursprünglich betitel als „Our new home“) hat schöne Harmonien, die sich natürlich wieder gut für die backings eignen. Schlicht, aber schön.
Das empfinde ich auch bei „At my window“. Nett die Flöte – wahrscheinlich Charles Lloyd. Ins Ohr fällt die Mollstelle. Ansonsten nicht so aufregend. Der Schluß ist schön.
„Cool cool water“ ist mit 6.24 Minuten recht lang. Die ersten 1:20 dürften noch aus den SMiLE sessions stammen. Ansonsten bekannt.
Auch“San Miguel“ ist ja von Ten years of harmony bekannt, hier aber ohne Leadstimme. Die backings sind interessant. Ich muß allerdings zugeben, daß der Titel mich nie gekrallt hat. Die Beach Boys und Spanien ? Eher seltsam. Klingt aber hier besser als auf Ten years of harmony.
„Loop de loop“ folgt als track. War auch nicht so mein Ding. Eher ein gag. Aber gehört halt in die Zeit.
Auch „Good time“ war „not my cup of tea“. Die woodblock percussion am Anfabng finde ich etwas albern. Weir sind doch nicht bei Laurel & Hardy ! Da haben wir wieder das Hohner Clavinet ab 2:00 mit starkem Chorus. Ich persönlich konnte auf diesen Titel immer schon verzichten.
Das gilt für „When girls get together“ gleich mit, sorry. Aber wer´s mag, bitte schön. Gott sei Dank ist er nicht auf Sunflower gelandet.
Dann folgt nochmals „Slip on through“ in einem Alternativmix und die String section von „Our sweet love“, ehe es an die a capella Versionen geht. Dazu braucht man aber nicht mehr zu sagen als "schön". Zuhören und evtl. ein Instrument mitspielen.
Fortsetzung folgt.
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Manfred am 19. Sep 2021, 15:48, insgesamt 1-mal geändert.